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Detlef
Klaudia, Sandra, Jörg, Detlef
12.08.´06

DKM+ oder
Die Leiden des jungen Det


Der Dalsland Kanot Maraton Plus zeichnete sich schon von Anfang an durch seine hervorragende Organisation aus. Übers Internet (www.kanotmaraton.se) angemeldet - schon Anfang des Jahres, damit die Gebühr gering bleibt - Geld überwiesen und Post mit allen nötigen Informationen erhalten. Was die Schweden nicht organisieren konnten, haben Sandra und Jörg dann noch für mich erledigt. Das Boot, Zelt und Schlafsachen eine Woche zuvor mit nach Schweden gefahren, den Flug für mich nach Göteborg gebucht und mich dort am 11. abgeholt. Klaudia hat nicht ganz uneigennützig, da sie selbst darin schlafen wollte, das Zelt aufgebaut. So wohl behütet konnte eigentlich nichts mehr schief gehen.

Touringboote
Einpaddeln auf dem Ärtingen
Start
Der Start am Vortag - noch ganz ohne Boote


Boote
In Reih und Glied - Boote übernachten am Start


Robin Detlef
2. Umtragestelle - links die Verpflegung

Damenzweier
Sandra und Klaudia nach der Portage


Det mit Boot
Die dritte Portage - noch 20,7 km


Zieleinlauf det
Gleich geschafft - Zieleinlauf in Bengtsfors


Sieger KII Damen
Siegerehrung KII der Damen


 
Gleich vom Flughafen sind wir zum Start gefahren um dort die Lokalitäten anzuschauen und den Checkin vorzunehmen. Wie nicht anders zu erwarten, wurden wir von netten Schweden in ihrer Landessprache freundlich begrüßt. Doch auch hier war alles perfekt, fast alle Helfer konnten entweder englisch oder deutsch, so dass auch die Verständigung kein Problem war. Die Formalitäten waren schnell erledigt, so konnten wir uns noch auf dem Ärtingen einpaddeln, bevor wir die Boote zum Ziel brachten, wo sie wohl behütet die Nacht verbrachten.
Da am nächsten Tag Großes vollbracht werden sollte sind wir früh in die Schlafsäcke gestiegen.

5:30 schellte der Wecker, um 6:00 mit dem Auto zum Ziel und dort in den Bus zum Start, 7:45 einbooten, 8:00 Start.
Es standen 55km auf stehendem Gewässer vor uns, eine Strecke die eigentlich kein größeres Problem für langstreckengeübte Paddler, wie wir sie sind, darstellt. Mit meinem schnellen Touring (5,20m * 0,5m)sollte die Strecke in ca. 8 Stunden erledigt und eine Platzierung unter den ersten 100 möglich sein. Doch schon der erste Blick auf die Mitpaddler ließ mich das ganze doch etwas großzügiger angehen. Mein Blick fiel auf eine große Anzahl von Rennbooten und Booten der Touringklasse, wie ich sie noch nie auf einer Langstreckenveranstaltung gesehen hab. Es reicht ja auch schon, wenn man unter die ersten 150 gelangt.

Das Wetter wollte auch nicht so ganz mitspielen. Es wehte ein stetiger Wind und der Laxsjön zeigte eine unruhige Oberflääche. Die ersten Wellenopfer war dann auch schon vor dem Start zu sehen. Noch bevor alle Teilnehmer auf dem Wasser waren, mussten die ersten Schwimmer geborgen werden.
Gleich nach dem Startschuss, als sich das Feld kraftvoll in Bewegung setzte, versuchten auch schon die nächsten Havaristen sich und ihre vollgelaufenen Boote in Sicherheit zu bringen. Um diesem Gewimmel auszuweichen und mein eigenes Tempo zu finden, hab ich mich ans Ende des Feldes gesetzt und musste dieses nun von hinten bearbeiten. Na unter die ersten 200 zu kommen wäre auch nicht so schlecht.

Jörg, ganz vorn im Startfeld, war schon längst nicht mehr gesehen, auch Klaudia und Sandra in ihrem Zweier waren weit vor mir. So kämpfte ich mich gegen den Wind und die stetig über mein Boot rollenden Wellen auf den ersten 6km durch das Feld. Hoffentlich verlassen wir bald die offenen Seeflächen. Kurz vor der ersten Portage hatte ich unseren Zweier dann auch eingeholt.

Wie auch alles andere, waren die Umtragestellen gut organisiert. Bananen und Getränke, die man im Lauf zu sich nehmen konnte, wurden gereicht. Es gab wenig Gedränge und so war man schnell wieder auf dem Wasser. In windgeschützter Umgebung zeigt der Touring auch gleich, was in ihm steckt. Mit gleichmäßigen Schlägen habe ich nach einem kurzen Schwätzchen die beiden Mädels hinter mir gelassen. Diesen Vorsprung konnte ich aber nicht lange halten, schon kamen wieder offene Seenflächen und ich wünschte mir ein Seekajak oder Wanderboot.

Nach der dritten Umtragestelle forderte mein ungenügend gepolsterter Carbonsitz seinen Tribut: Mein schmerzendes Gesäß schrie nach eine Extrapause. Immer wieder versuchte ich meinen Hintern dadurch zu entlasten, dass ich mich im Boot nach hinten lehnte, was wiederum die Windanfälligkeit noch erhöhte und zu Verspannungen im Nacken führte. Doch Aufgeben war nicht drin. Ich wär´ ja auch schon mit einer Plazierung unter den ersten 250 zufrieden.

Die vierte Portage lag gerade hinter mir, als der Wind auch noch einen drauf legte. Hier musste ich jetzt auch Sandra und Klaudia 12km vor dem Ziel ziehen lassen. Dann kam der Einbruch. An der rechten Hand brannten die Blasen wie Feuer und mein Hintern war nur noch eine undefinierte schmerzende Masse. Mein Boot wurde wie auf dem Rüttelbrett durchgeschüttelt und ich hielt immer wieder nach dem nächsten Ufer oder einem rettenden Motorboot Ausschau, um für den Ernstfall gewappnet zu sein. Langsam zog der Schmerz vom hintern in die Hüfte, das Gleichgewicht in dem schmalen Boot zu halten, war anstrengender als der Vortrieb. Ich bin eigentlich schon glücklich, wenn ich überhaupt ankomme.

Nachdem ich mich daran gewöhnt hatte, dass ich auf einem Nagelbrett sitze, meine rechte Paddelhälfte aus glühender Kohle bestand und meine Lendenmuskulatur sich wie völlig überdehnte Gummibänder anfühlte, sah ich das Ziel. Es sind noch lächerliche 2,5km bis zur Erlösung. Der Wind kam nun vollends von vorn und meine Arme wurden langsam immer schwerer. 1000 Meter vor dem Ziel überholte mich ein fettes Seekajak. 100 Meter vor dem Ziel setzte ein leichter Regen ein, 3 Meter vor dem Ziel setzen meine Paddelschläge aus. Dann war ich angekommen.
Zwei nette Schweden hielten mein Boot, eine hilfsbereite junge Frau zerrte mich aus selbigem. Sogleich wurde mein Touring aus dem Wasser gehoben und die beiden Helfer schickten sich an, ihn fortzutragen. Hätte mich Jörg nicht vorgewarnt, hätte ich meinen treuen Begleiter wohl mit Paddel und Leben verteidigt. So ließ ich ihn einfach davontragen und mir eine Medaille um den Hals hängen. Nach 8 Stunden und 51 Minuten (Platz 243 KI der Herren) waren meine Leiden beendet.

Ich hatte vermutlich ein ziemlich breites Grinsen im Gesicht als mich Klaudia, Sandra und Jörg in Empfang nahmen. Jetzt konnte ich endlich mein Leid klagen und beteuern, dass ich dergleichen nie wieder machen werde. So wurden dann auch gleich nach einer heißen Dusche, noch wärend des Essens die Pläne für den DKM+ 2007 geschmiedet.

Unerwähnt bleiben darf natürlich nicht, dass unser Damenzweier mit 8 Stunden und 3 Sekunden Platz 4 in seiner Klasse erreichte. Jörg hat mit 6 Stunden und 34 Minuten Platz 75 in der Klasse KI errungen.

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